Soo viele Seen gesehn!


Los ging es an einem recht regnerischen Tag ins finnische Inland. Helsinki haben wir über lange Radwege verlassen, die meist neben stark befahrenen Straßen verliefen. Trotz des anfänglich schlechten Wetters sind wir richtig gut vorangekommen und haben abends in einer der zahlreichen Laavus (Hütten mit einer offenen Seite) übernachtet.

In den nächsten Tagen ging es mitten durch unendlich viele, große und ziemlich schöne Seen. Eigentlich hatten wir gedacht, dass Finnland überwiegend flach ist. Doch schnell haben wir festgestellt, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Das ist zwar auf der einen Seite anstrengend, macht die Seenplatte andererseits aber sehr abwechslungsreich – oft folgt nach einem Hügel oder einer Kurve ein erstauntes „Wooow“, wenn der nächste See auftaucht 😀 Insgesamt gibt es in der Region der Finnischen Seenplatte rund 42.000 Seen – in ganz Finnland sogar fast 190.000!

Überall Seen

In den letzten anderthalb Wochen haben wir echt viele Menschen getroffen. Claire und Baptiste sind auf dem Weg durch Europa – angefangen in Frankreich über Spanien, die Türkei,… und jetzt auf dem Weg zum Nordkap. Andi radelt einmal um die Ostsee. Zu fünft haben wir eine Nacht an einem verlandenen See übernachtet. Einige Tage später haben wir noch Marko (oder Marco?) getroffen, der ebenfalls eine Tour um die Ostsee macht. Für viele scheinbar genau die richtige Zeit, um durch Finnland zu radeln.

Neben den ganzen Radreisenden haben wir auch sonst viel mehr Kontakt zu Leuten gehabt. In Finnland scheint es viele Menschen zu geben, die einfach Lust haben, ins Gespräch zu kommen. Fast täglich quatschen wir mit Leuten vor dem Supermarkt und regelmäßig erleben wir super herzliche Gesten, wie eine Führung über das selbstgebaute Saunahausboot, eine Kaffeespende, Saunaempfehlungen, dem Angebot bei Regen im Anhänger mitgenommen zu werden oder eine Einladung zum Kaffee im Garten. Durch diese kurzen oder langen Begegnungen und der wundervollen Landschaft gefällt uns das Radfahren durch Finnland trotz wechselhaftem Wetter sehr!

Nach einer Kaffee- und Eispause im Garten

Immer mal wieder gab es Tage mit viel Sonnenschein und Kurze-Hosen-Wetter. Sogar ein kleiner Hüpfer in einen der Seen war drin (bei wärmender Sonne um 21 Uhr). Aber häufig hat es auch den ganzen Tag geregnet. Die bisher regnerischste Nacht konnten wir zum Glück im Küchengebäude eines komplett leeren Campingplatzes verbringen.

Zwischen den ganzen Seen erstrecken sich die meiste Zeit weitläufige Birken-, Kiefern- und Fichtenwälder – teils ziemlich sumpfig und manchmal geht es auch durch Moore. Passend dazu, hatten wir wieder einmal eine coole Eulensichtung am Waldrand: eine Sumpfohreule, die sich direkt vor uns in einen Baum gesetzt hat.
Die Seen und Wälder bringen natürlich auch ein paar Begleiter mit sich: an den Abenden suchen uns die Mückenschwärme auf und in den letzten zwei Wochen war absolute Pollenzeit – bei so vielen Bäumen kommt da schon einiges zusammen…

Sumpfohreule

Der Eurovelo 11 verlief in letzter Zeit auf recht großen Straßen, weshalb wir uns öfter für alternative Strecken auf kleineren Landstraßen oder Schotterwegen entschieden haben. Die Schotterwege sind allerdings kein Vergleich zu denen in Litauen – oft sind sie so glatt, dass es kaum einen Unterschied zu Asphalt gibt.

Seit wir durch Finnland radeln, haben wir eigentlich jede Nacht in oder neben einem Laavu oder einer Grillkota (kleine Hütten mit Feuerstelle in der Mitte) verbracht. Fast alle diese Plätze sind mit Plumpsklo, Feuerstelle und Brennholzschuppen ausgestattet. An solchen Stellen darf man sogar in Nationalparks übernachten – das ist natürlich eine super Möglichkeit, das Wildcampen zu lenken.

Gestern haben wir im Rokua Nationalpark in der bisher schönsten Kota übernachtet. Mit Blick auf einen super klaren See (mit süßen kleinen Barschen) haben wir im Trockenen, am Lagerfeuer, dem Regen zugeschaut. Dazu gabs gegrillten Feta mit Tomate – mmmh lecker 😀 In diesem Nationalpark waren große Teile des Waldbodens von grün-bläulichen Flechten überzogen. Das sah total faszinierend und märchenhaft aus – sowas haben wir vorher noch nie gesehen. Die Landschaft entstand am Ende der letzten Eiszeit, als Gletscherschmelzwasser feines Bodenmaterial ablagerte. Hier gibt es auch das tiefste Toteisloch Finnlands (50 m tief). Zum Wandern würden wir definitiv ein weiteres Mal kommen!

Überall Laavus und Kotas:

Übernachten im Rokua Nationalpark:

In Finnland ist Schwedisch die zweite Amtssprache. Das ist – zumindest für Hannah – ziemlich praktisch, weil z.B. im Supermarkt die Zutaten und Produktnamen meist auch auf Schwedisch genannt werden und damit das Rätselraten ein Ende hat. Ein weiterer Pluspunkt der finnischen Supermärkte: fast immer gibt es einen Wasserhahn, an dem wir unsere Flaschen auffüllen können. Außerdem fühlen wir uns in unseren Wanderhosen inzwischen gar nicht mehr so fehl am Platz, weil so viele Menschen hier in Wanderklamotten unterwegs sind.

Morgen geht es für uns nach Oulu, zum Nordkapp sind es dann keine 1.000 Kilometer mehr – juhuu.

Quelle: Google Earth

P.S.: Der Blogbeitrag wurde jetzt irgendwie ziemlich lang, aber wir sind einfach begeistert von Finnland 😀


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Eine Antwort zu „Soo viele Seen gesehn!“

  1. Hallo Hannah und Theo, das ist ja wundervoll, was ihr da alles erlebt und erfahrt. Wir wünschen euch weiter ganz ganz schöne Zeiten! Volkmar und Uta 👫

    🙂

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