Nach zwei Wochen Unterbrechung der Reise ging es ab Travemünde um 2 Uhr nachts mit einer 30-stündigen Fährfahrt zurück nach Helsinki. Von dort aus sollte es dann am Abend mit dem Nachtzug (Theos großer Traum: endlich mal im Schlafabteil fahren 😍😍) zurück nach Rovaniemi zum Polarkreis gehen. Die Fahrt verlief jedoch etwas anders als geplant: kurz hinter Helsinki hieß es in der Durchsage, dass es eine Oberleitungsstörung gibt – die Verspätung holen wir aber wohl bis morgen früh wieder raus. Also haben wir uns bettfertig gemacht und eine Nacht im nicht schaukelnden Schlafwagen verbracht. Morgens aufgewacht, sind wir nur einen Bahnhof weiter gekommen. Um 12 Uhr (nach 17 h Zugaufenthalt) sind wir dann wieder zurück nach Helsinki gefahren. Wie gut, dass wir ein Schlafabteil hatten – hat sich am Ende völlig gelohnt, da uns sogar noch der volle Preis erstattet wurde. Die für uns nächste mögliche Verbindung war dann erst am nächsten Tag. Also hatten wir noch 1 1/2 Tage mehr in Helsinki 😀



Nach einer nun schaukeligen und gemütlichen Nacht im Zug sind wir endlich in Rovaniemi angekommen und konnten losradeln. In der Zwischenzeit haben wir noch eine alternative Strecke abseits des Eurovelo 11 und der stark befahrenen Straße gefunden, der wir bis Inari gefolgt sind. Bei sommerlichen Temperaturen fuhren wir die ersten Kilometer auf wirklich deutlich weniger befahrenen Straßen. Unterwegs haben wir noch haufenweise Orchideen und einige Schmetterlinge gesehen.






Die darauf folgenden Tage sind wir immer weiter in die lappländische Weite gefahren. Die Ortschaften lagen immer weiter auseinander und die Supermarkt- und Trinkwasser-Infrastruktur wurde auch dünner. Hinter den letzten größeren Ortschaften Kittilä und Sirkka ging es etwa 170 Kilometer zur nächsten Ortschaft Inari, durch eine nahezu unbewohnte Landschaft. Auf halber Strecke (Pokka) gab es noch ein kleines Café, wo wir Wasser und Kaffee tanken konnten. Zwischen den immer karger werdenen Wäldern erstreckten sich riesige Moore, die teilweise übersäht von Wollgras einfach atemberaubend aussahen. Die ersten baumfreien Berge haben wir in der Ferne auch schon gesehen.












Nach einem langen aber wunderschönen Tag auf der fast unbefahren Straße sind wir am Abend in Inari angekommen. Dort haben wir auf einem Campingplatz nochmal alles aufgeladen und uns am nächsten Tag das Siida – Samisches Museum und Naturzentrum – angeschaut. Das Museum arbeitet die traditionelle Lebensweise der Samen auf und zeigt gleichzeitig, wie sehr die samische Bevölkerung durch die nationalstaatlichen Strukturen (Grenzziehungen, staatliche Verwaltung) zurückgedrängt, unterdrückt und eingeschränkt wurde. Von Inari aus waren wir dann nur noch etwa 100 Kilometer von der norwegischen Grenze und rund 380 km vom Nordkap entfernt.




Die unentwegte Suche nach Hirviä (Elche auf Finnisch) ging natürlich auch weiter. Neben zahlreichen Trittspuren und Elch-Dung (natürlich direkt Proben eingetütet) war der dauerhafte Scan-Blick leider nicht erfolgreich. Nicht mal durch unsere Anlock-Gesänge wollten sich die Elche zeigen…
Hirviä kommt an den Waldrand
Denn hier schaun zwei auf dem Fahrrad ganz gebannt
Kommt zu uns in Scharen
Kommt zu uns in Scha-a-a-ren
Auf einem Beobachtungsturm kurz hinter Inari hatten wir dann aber eeendlich Glück: ein Elch graste in seeehr weiter Ferne im Gebüsch.


Nach ca. 1.500 Kilometern haben wir die Grenze zwischen Finnland und Norwegen überquert. Damit war Finnland das Land, in dem wir am meisten Zeit während der Reise verbracht haben. Währenddessen haben wir ganz verschiedene Seiten Finnlands kennenlernen können.






Im norwegischen Karasjok haben wir noch bei einer Führung durch das samische Parlament (Sameting) teilgenommen. Im Zuge von Protesten gegen ein geplantes Wasserkraftwerk, durch welches ein samisches Dorf zerstört worden wäre, wurden die Samen als Minderheit und indigene Bevölkerung anerkannt und ihnen einige Rechte eingeräumt.

Einen Anstieg hinter Karasjok gab es dann einen richtigen Landschaftswechsel: von den weiten Wäldern zeichneten sich am Horizont die ersten hohen Berge und die karge Landschaft ab – Wow 😍





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